Süße Leckereien aus aller Welt für die närrische Zeit

Die einen feiern Karneval, die anderen Fasching oder Fastnacht. In Venedig feiert man Carnevale und in den Straßen von Rio de Janeiro und Salvador da Bahia Carnaval. Wie auch immer man das Fest nun nennt, es ist weltweit ein farbenfrohes und fröhliches Fest, dessen Wurzeln bis in die Antike zurückreichen. 

In Deutschland wird Karneval mit großen Umzügen, prächtigen Wagen und Kostümen gefeiert. Im belgischen Binche tragen Männer die berühmten Gilles-Kostüme und werfen während des Umzugs Orangen, die als Symbol für Fruchtbarkeit und Wohlstand gelten. In Rio de Janeiro wird der Karneval mit einer großen Parade der Sambaschulen gefeiert, während der größte Straßenkarneval der Welt in Salvador da Bahia ein lebendiger Ausdruck der afrobrasilianischen Kultur ist.

Weitaus gediegener, aber nicht weniger fröhlich geht es in der Lagunenstadt Venedig zu, wo der Karneval mit einem historischen Umzug mit geschmückten Booten auf den Kanälen gefeiert wird und man trägt prunkvolle elegante Gewänder und traditionelle Masken.

Eines darf in der fünften Jahreszeit aber nirgends auf der Welt fehlen: süßes Schmalzgebäck – von Krapfen über Semla und Faworki bis hin zu Chiacchiere und Beignets. So ziemlich jede Region hat ihr ganz eigenes traditionelles Karnevalsgebäck.

Fleisch, aber auch Fett und Eier waren oder sind bis heute in der Fastenzeit, die 40 Tage vor Ostern beginnt, verboten. Daher genießt man Gerichte mit diesen Zutaten in der Zeit davor ausgiebig und braucht so auch noch schnell alle Vorräte auf, bevor die Fastenzeit beginnt. Höhepunkt des kalorienreichen, in Fett ausgebackenen Gebäcks ist weltweit der Faschingsdienstag, der in anderen Ländern aus diesem Grund auch Fetter Dienstag genannt wird – auf Französisch heißt er Mardi gras, auf Schwedisch Fettisdagen und auf Englisch Fat Tuesday.

Im folgenden Artikel verrate ich Dir, welches Karnevalsgebäck in anderen Ländern traditionell gegessen wird und wie man das leckere Schmalzgebäck zubereitet.

Karnevalsgebäck aus aller Welt

1. Karnevalsgebäck aus Deutschland

Krapfen sind in Deutschland wohl der Klassiker in der närrischen Zeit, wobei man sie nur in Bayern Krapfen nennt. In Nordrhein-Westfalen kennt man sie als Berliner, in Hessen sagt man Kreppel und in Aachen Puffel

Im Rheinland ist man an Karneval Mutzen, nicht zu verwechseln mit den Mutzenmandeln – ein mandelförmiges Mürbeteiggebäck, das im Rheinland und in Westfalen gleichermaßen beliebt ist. Auch Kräbbelchen sind beliebt, in Ostdeutschland kennt man sie als Kräppelchen. In den Niederlanden sagt man hingegen Oliebollen und zudem werden im Nachbarland noch geraspelte Äpfel unter den Teig gehoben.

In Bayern und Schwaben sind auch Ausgezogene, auf Bayerisch Auszogne, sehr beliebt. In Schwaben und im Allgäu genießt man in der fünften Jahreszeit besonders gerne Nonnenfürzle, ein Schmalzgebäck aus Brandteig.

2. Karnevalsgebäck aus Frankreich

In unserem Nachbarland Frankreich isst man an Mardi Gras im Südwesten des Landes besonders gerne Merveilles, die in und rund um Lyon auch Bugnes, in der Provence Oreillettes genannt werden. Das Fettgebäck ähnelt unseren Krapfen, allerdings mischt man dem Teig Cointreau und Orangenschale bei. Das Rezept für Bugnes geht wohl bis in die Antike zurück und soll ursprünglich aus Lyon stammen, das damals als Lugdunum die Hauptstadt der drei gallorömischen Provinzen war. Das Lyoner Wort bugni, das zu bugne französiert wurde, bedeutet nicht anderes als Krapfen.

Ebenfalls sehr beliebt sind natürlich Crêpes und auch Beignets de Roses, die man auch als Roses de Carnaval kennt. Das Karnevalsgebäck wird aus drei Lagen aus Teig ausgestochenen Blüten zusammengesetzt und anschließend frittiert. Dabei nimmt das Gebäck die Form einer Rose an. In die Mitte der Blüte kommt ein Klecks Erdbeermarmelade und anschließend wird sie mit Puderzucker bestäubt serviert.

3. Karnevalsgebäck aus Italien

Auch in Italien darf Karnevalsgebäck natürlich nicht fehlen. Ein traditionelles Gebäck aus dem venezianischen Karneval sind Chiacchiere – Teigstreifen mit gezacktem Rand, die in Fett ausgebacken und mit Puderzucker bestäubt werden. Der Name bedeutet wörtlich übersetzt « Plauderei » oder « Gerede » und soll die fröhliche Karnevalsatmosphäre widerspiegeln. 

Im Piemont nennt man die dünnen Streifen Bugie, in der Toskana Cenci und im Trentino Crostoli. Ein Schluck Grappa im Teig sorgt dafür, dass das Gebäck beim Frittieren sehr knusprig wird und eine leichte, blättrige Struktur erhält. Zudem verleiht es dem Teig ein feines, typisch italienisches Aroma.

Hier gehts zum Rezept für Chiacchiere

4. Karnevalsgebäck aus der Schweiz

Auch die Schweizer mögen es an Karneval knusprig: ihre Fasnachtschüechli kennt man auch als Fasnachtskiechli, Chneublätz, Chilbiblätz, Patlauna oder Chruchtälä. Vor dem Sieden werden die hauchdünnen Fasnachtschüechli in Fächerfalten gelegt und erhalten dadurch ihr typisches Aussehen.

Die rautenförmigen Hasenöhrli erinnern optisch an die Ohren eines Hasen, was den Namen erklärt. Ein weiteres beliebtes Faschingsgebäck sind Märmel – kleine, in Fett ausgebackene Kugeln, die in Zimtzucker gewälzt werden.

5. Karnevalsgebäck aus den Niederlanden

In den Niederlanden wird Karneval vor allem im Süden in den Provinzen Limburg und Brabant gefeiert. Gerne isst man dort in der Karnevalszeit Oliebollen, eine Art Krapfen, der im Nachbarland auch an Silvester und Neujahr nicht fehlen darf. 

Oliebol bedeutet wörtlich übersetzt « Ölkugeln ». In Norddeutschland kennt man die süßen frittierten Teigbällchen als Silvesterfutschen oder Futtjes, im Rheinland als Kräbbelchen und in Ostdeutschland als Kräppelchen. In Österreich nennt man das niederländische Siedegebäck gebackene Mäuse. Oliebollen werden traditionell mit einem geriebenen Apfel und Rosinen zubereitet, es gibt sie aber auch ganz plain. Die Kräbbelchen kommen ganz ohne den Apfel aus. Der Teig besteht aber immer aus Mehl, Eiern, Hefe, Salz, Zucker und lauwarmer Milch. 

Hierzulande wälzt man die Kräbbelchen in einer Mischung aus Zimt und Zucker. Die Niederländer stäuben gerne reichlich Puderzucker über ihre goldgelb frittierten Teigbällchen.

Hier gehts zum Rezept für Oliebollen

6. Karnevalsgebäck aus Belgien

In Belgien wird Karneval vor allem in Binche, Aalst und Namur gefeiert. In Binche tragen die Männer wie bereits erwähnt die berühmten Gilles-Kostüme, die mit bunten Federn geschmückt sind, und werfen während des Umzugs Orangen, die als Symbol für Fruchtbarkeit und Wohlstand gelten. Im Frankreich nahen Belgien isst man gerne Beignets an Karneval, aber auch Oliebollen sind sehr beleibt.

7. Karnevalsgebäck aus Schweden

Die Fastenzeit ist in Schweden Semla-Saison und erreicht ihren Höhepunkt am Faschingsdienstag, den man in Schweden Fettisdagen (Fetter Dienstag) nennt. Semlor (so heißt der Plural von Semla) sind kleine, mit Marzipancreme und Sahne gefüllte Hefebrötchen – also eine Art schwedischer Windbeutel. Kardamom verleiht dem luftigen Hefeteig eine exotische Note. In Finnland nennt man das Hefegebäck Laskiaispulla.

Traditionell essen Schweden eine Semla so, dass sie zunächst den Deckel nehmen, um mit ihm die Sahne zu löffeln. Anschließend reichen einige wenige herzhafte Bisse und schon ist die Semla verputzt. Aus diesem Grund verwendet der Schwede auch meist nur die Mehrzahl Semlor, denn man isst nie nur eine Semla. Klassisch trinkt man zu Semlor ein Glas warme Milch.

Hier gehts zum Rezept für Semlor

8. Karnevalsgebäck aus Polen

In Polen backt man in der Karnevalszeit Faworki – rund zehn Zentimeter lange Teigschleifen. Übersetzt heißen sie Liebesschleifen. Sie bestehen aus einem Mürbeteig mit Sahne und einem Schuss Essig, der in Rauten geschnitten wird. Um die typische Form einer Schlinge zu erhalten wird der Teig in der Mitte eingeschnitten und anschließend wird ein Ende durch das Loch gezogen. Auch Karnevalsrosen sind in Polen wie auch in Frankreich sehr beliebt, wobei man in Polen einen Klecks Kirschmarmelade in die Mitte der Blüte setzt.

9. Karnevalsgebäck aus den USA

Aus Frankreich kam der Mardi gras nach New Orleans und die Arcadians (französische Siedler) brachten auch gleich die Beignets – luftige Quadrate aus Hefeteig, die mit einer dicken Schicht Puderzucker bedeckt sind – mit in ihre neue Heimat. Seit 1986 gelten die New Orleans Beignets als « Official state donuts » des Bundesstaates Louisiana und man isst die lockeren, luftigen Quadrate aus Hefeteig nicht nur an Fasching, sondern auch gerne zum Frühstück. 

Dazu trinkt man in New Orleans eine Tasse Chickory Coffee, eine Spezialität der Südstaaten, der eigentlich nichts anderes ist als eine Mischung aus normalem Bohnenkaffee und Karo-Ersatzkaffee.

Neben Beignets zählt auch der King Cake zu den typischen Karnevalsgebäck-Spezialitäten aus New Orleans. Der Kuchen wird mit Zuckerguss und Streuseln in den typischen Farben Lila, Grün und Gold eingefärbt. In einem der Kuchenstücke wird eine Babyfigur versteckt, die dem Finder Glück und Wohlstand bringen soll.

Hier gehts zum Rezept für New Orleans Beignets

10. Karnevalsgebäck aus Brasilien

Filhos sind eine traditionelle Süßigkeit aus Portugal, die dort in der Weihnachtszeit gegessen wird. In Brasilien, besonders in Pernambuco, isst man die kleinen bolos – Krapfen, die in Zuckersirup getaucht werden – hingegen ausschließlich während des Karnevals. Daher heißen sie in Brasilien auch Filhos de Carnaval.

Egal ob man die Filhos nun wie die Portugiesen in der Weihnachtszeit isst oder wie die Brasilianer in der Karnevalszeit, die fluffigen und gleichzeitig knusprigen Krapfen sind einfach lecker.

Hier gehts zum Rezept für Filhos de Carnaval

Welches Karnevalsgebäck wird in Deiner Region traditionell gegessen? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

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Nina | Neuigkeiten und Geschichten Food- und Reiseblog
Nina

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